Gesellschaft für |
Strahlenschutz |
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Bild Morgans (Juni-Heft Health Physics) |
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Dr. Karl Z. Morgan, Mitbegründer der Gesundheitsphysik (Health Physics), der Wissenschaft von der menschlichen Gesundheit und Strahlenexposition, starb am 8. Juni 1999 im Alter von 91 Jahren.
Er war viele Jahre in leitender Stellung am Oak Ridge National Laboratory, USA, tätig. Morgan war Mitarbeiter im Metallurgie Labor an der Universität Chicago, als Enrico Fermi 1943 zusammen mit anderen Physikern im Manhattan-Projekt die ersten Atombomben der Welt entwickelten. Morgan wurde damals an einen streng geheimen Ort in Tennessee geschickt, wo das spaltbare Material für die Bomben angereichert und verarbeitet wurde, die dann zwei Jahre später über Japan abgeworfen wurden und die Städte Hiroshima und Nagasaki zerstörten. Morgan blieb dann noch fast 30 Jahre in der zunächst geheimen Forschungsanlage, die immer weiter ausgebaut wurde und später als Oak Ridge National Laboratory bekannt wurde. Er war bis zu seiner Emeritierung Direktor der Strahlenschutzabteilung.
Morgan gründete die Health Physics Society und war deren erster Präsident von 1955 bis 1957. Er gründete auch die Zeitschrift "Journal of the Health Physics Society" und war bis 1977 deren Herausgeber. Im Juniheft 1999 dieser Zeitschrift wird Morgan als eine der sechs Personen beschrieben, die eine neue wissenschaftliche Disziplin, eben die Health Physics, entwickelt und etabliert haben. Weltweit arbeiten heute auf diesem Wissenschaftsgebiet viele Tausend Wissenschaftler.
In den Fünfziger Jahren war Morgan ein glühender Verfechter der damals vorherrschenden Auffassung, mit den Nuklearwissenschaften sei ein goldenes Zeitalter angebrochen. "Wir sind davon überzeugt, dass das nukleare Zeitalter gekommen ist und bleiben wird und dass seine Zukunft im wesentlichen von der erfolgreichen Kontrolle der Strahlenexposition abhängt". So schrieb Morgan im Editorial des ersten Heftes der Health Physics . "Wir müssen die biologischen Konsequenzen einer Strahlenexposition genau verstehen und die Dosis auf ein Minimum reduzieren, damit wir und die nach uns kommenden Generationen einen möglichst großen Nutzen aus dem neuen Zeitalter ziehen".
Viele Jahre galt Morgan als tragende Säule des nuklearen Establishment. Doch waren auch seine kritischen Aktivitäten nicht verborgen geblieben. Mit großer Energie und gegen die ärztlichen Berufsverbände setzte er sich für eine Reduktion des diagnostischen Röntgens insbesondere bei Kindern und schwangeren Frauen ein. Bemerkenswert war auch sein Engagement gegen das Aufstellen von Röntgenanlagen in Schuhgeschäften. Diese gegen vielseitigen Widerstand durchgeführte Kampagne endete schließlich in einem neuen Bundesgesetz, dass solche Anlagen nur durch einen Radiologen betrieben werden dürfen und das unnötiges Röntgen wie Röntgenreihenuntersuchungen verbot. Morgan war ins Weiße Haus eingeladen worden, um Zeuge bei der Unterzeichnung des Gesetzes durch den Präsidenten Johnson zu sein.
Morgan hat bereitwillig als Experte vor Gericht Personen unterstützt, die behaupteten, durch Bombenfallout oder durch die Radioaktivitätsabgaben aus Atomanlagen gesundheitliche Schäden davongetragen zu haben. Diese Tätigkeiten wurden vom Nuklearestablishment sehr missbilligt. Im Oktober 1982 stand er als Zeuge und Experte vor Gericht in einem Verfahren von 1200 US-Bürgern gegen die Bundesregierung wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht bei Atomwaffentests in den 50er Jahren in Nevada, wodurch Leukämien und andere Krebserkrankungen entstanden seien. Morgan , damals 75 Jahre alt, sagte vor Gericht, dass die Strahlenschutzmaßnahmen bei den Testversuchen nicht ausreichend waren und nicht dem entsprachen. was man damals bereits über die Gesundheitsgefährdung durch Strahlung wusste. Morgan sagte, die Atomenergie Kommission, Vorläufer der nationalen Nuklearen Regulierungsbehörde, habe die Strahlenschutzbestimmungen und andere Standards durch selektiven Gebrauch von Information zu Gunsten der bereits vorgegebenen Schlussfolgerungen festgelegt.
Morgan hat sich auch für die Navajo Uranbergarbeiter eingesetzt und zu deren Gunsten vor Gericht ausgesagt und dabei offengelegt, dass die offiziellen Beamten der Bundesregierung sehr wohl von der Strahlengefährdung in den Uranminen wussten, es aber versäumten, die Minenarbeiter angemessen zu schützen.
Morgan trat auch in dem Prozess der Karen Silkwood gegen die Atomfirma Kerr-McGee auf. Silkwood war eine Labortechnikerin, die über Verletzungen gegen Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen bei Kerr-McGee berichtete. Sie wurde auf dem Weg zu einem Treffen mit einem Reporter der New York Times, dem sie belastendes Material übergeben wollte, in einen Verkehrsunfall verwickelt und getötet.
Morgan war auch viele Jahre Mitglied der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) und hat oft sehr kritische Worte über das nuklearfreundliche Handeln dieser sich selbst ernennenden Kommission gefunden.
Ich bin Karl Morgan mehrere Male auf Kongressen der atomkritischen Wissenschaftler begegnet. Er hat auf mich durch seine besonnene, vornehme und engagierte Art des Diskutierens und Berichtens und durch seinen mutigen Einsatz für einen besseren Strahlenschutz einen bleibenden Eindruck gemacht. Ich werde nie vergessen, was er als Resümee über die ICRP sagte: "Trotz ihrer Nützlichkeit in der Vergangenheit war die ICRP niemals bereit, sich gegen das Nuklearestablishment und dessen Interessen zu stellen. Ich bin nicht sicher, ob ich einer solchen Organisation meine Gesundheit und mein Leben anvertrauen würde".
Die kritische Rolle Morgans habe ich in einem
Vortrag über die ICRP ausführlich gewürdigt, dessen Text heruntergeladen werden kann.Im Organ der Gesellschaft für Strahlenschutz, den Berichten des Otto-Hug-Strahleninstitutes, war im
Bericht Nr. 6 1993 meine Übersetzung des Aufsatzes von Morgan "Veränderungen wünschenswert - Über die Art und Weise, wie internationale Strahlenschutzempfehlungen verfaßt werden" abgedruckt worden.Morgans Autobiographie "The Angry Genie: One Manīs Walk Through the Nuclear Age" erschien vor kurzem bei The University of Oklahoma Press. An diesem Buch hat auch der Rechtsanwalt und Verteidiger Ken M. Peterson mitgewirkt.
Münster, den 21. Juni 1999
Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz
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http://www.gfstrahlenschutz.de/morgan.htm |