|
Gesellschaft für | Strahlenschutz | e.V. |
Home |
| Gratulation: Prof. Dr. Wolfgang Köhnlein 70 | Link zur Homepage Prof. Dr. Wolfgang Köhnlein> |
|
Am 1. Mai des Jahres feierte Prof. Dr. Wolfgang Köhnlein,
Gründungsmitglied und früherer Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz,
seinen 70. Geburtstag.
1933 in Lauerbach im Odenwald geboren und in Heidelberg aufgewachsen, studierte er in Karlsruhe und Heidelberg Physik und Mathematik und promovierte 1963 zum Dr.rer.nat. Mit einem Postdoktorandenstipendium des National Institute of Health folgten für ihn zwei Forschungsjahre in den USA, die er an der Yale Universität in New Haven, Connecticut, verbrachte. Bereits in seiner Doktorarbeit hatte er Strahlenwirkungen auf die DNA untersucht. Diese Forschungen wurden jetzt mit molekularbiologischen Methoden ausgebaut. 1966 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Strahlenchemie des Kernforschungszentrums Karlsruhe. 1967 trat er in das Institut für Strahlenbiologie der Universität Münster ein und habilitierte sich 1972 für das Fach Strahlenbiologie und Biophysik. 1974 wurde er in Münster auf eine Professur für Strahlenbiologie berufen und war von 1994 bis zu seiner Pensionierung Geschäftsführender Direktor des Instituts für Strahlenbiologie. Seit 1999 ist er stellv. Vorsitzender der Deutschen Strahlenschutzkommission und Vorsitzender des Risikoausschusses der SSK. Im Jahr 2000 wurde er durch die deutsche Regierung in das United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR) berufen. Ein Schlüsselerlebnis wurde für ihn der Unfall in der Atomkraftwerksanlage Three Mile Island 1979 in den USA. In einem der beiden Druckwasserreaktoren kam es zu einer Kernschmelze - ein Ereignis, das laut Atomindustrie und behördlichen Gutachtern angeblich nicht möglich war - und damit zu einem Super-GAU. Dieser Irrtum und die nachfolgende hochoffizielle Vertuschung der Strahlenfolgen sowie die Jagd auf die wissenschaftlichen und juristischen Vertreter der Opfer trugen zu seiner Ablehnung der Atomkraftverwertung bei. Seine zunehmende Beschäftigung mit den Wirkungen von Radioaktivität auf die menschliche Gesundheit machten ihn zu einem nachhaltigen Kritiker der Internationalen Strahlenschutzkommission ICRP. Auf dem Arbeitsgebiet der Wirkung kleiner Strahlendosen sind besonders seine Ergebnisse über den Dosiswirkungszusammenhang bei den japanischen Atombombenüberlebenden hervorzuheben, die er zusammen mit dem Kernphysiker Rudi Nussbaum gewann. Die Autoren wiesen nach, dass sich im Bereich niedriger Dosis ein überlinearer Verlauf ergibt, d.h. die Wirkungen sind bei kleiner Dosis relativ (pro Dosiseinheit) höher als bei großer. Auf die not-wendigen Folgerungen für den Strahlenschutz haben sie im Kontext anderer Argumente un-ermüdlich hingewiesen. Durch diese Thematik und sein gesellschaftliches Engagement, das ihn zu zahlreichen wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen und populärwissenschaftlichen Vorträgen veranlasste, ferner zur Gestaltung und Organisation mehrerer wissenschaftlicher Kongresse, wurde er zu einer Leitfigur der wissenschaftlichen Strahlenschutzkritik in Deutschland. Auch als Bürger wurde er durch zahlreiche Aktivitäten zu einem Vorbild für andere, z. B. durch seine Beteiligung an der Errichtung von Windkraftanlagen auf dem Baumberg im westlichen Münsterland. Wir wünschen ihm und uns noch viele weitere seiner Schaffensjahre und Erfolge auf dem mühsamen Weg des Gegen-den-Strom-Schwimmens!
Horst Kuni, |
|
http://www.gfstrahlenschutz.de/koehnl70.htm |