Kinderkrebs um Kernkraftwerke ist Tatsache –
Vorsorgeprinzip erzwingt Handeln
Am 28.9.2008 trafen sich Epidemiologen, Statistiker, Physiker, Biologen und Ärzte
mit Journalisten, Behördenvertretern und Politikern in der Berliner Charite zu einem Symposion,
um mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen Schwachstellen der
"Epidemiologischen Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken" (KiKK)
des Mainzer Kinderkrebsregisters nachzubessern.
Unter den Teilnehmern waren sieben Wissenschaftler,
die als Externe (nicht als Autoren) an der Entwicklung der Methode und der Begleitung der
KiKK-Studie beteiligt waren.
Die Bewertung der Autoren der KiKK-Studie, dass das erhöhte Krebs- und Leukämierisiko
bei Kindern unter 5 Jahren in der Nähe der deutschen Kernkraftwerke grundsätzlich
nicht auf die radioaktiven Emissionen der KKW zurückgeführt werden können,
stellte sich als ebenso unhaltbar heraus wie die These,
dass die errechnete Strahlenbelastung um viele Größenordnungen zu gering sei,
um Krebs oder Leukämie verursachen zu können. Es wurde belegt,
dass solche täuschenden Aussagen in der Geschichte des Strahlenschutzes
immer wieder vorgetragen wurden, um ungestört weitermachen zu können wie bisher.
Aus verschiedenen Blickwinkeln wurde exemplarisch aufgezeigt,
dass in der KiKK-Studie nicht berücksichtige Fakten sehr wohl ausreichen,
die tragischen Erkrankungen der Kinder als strahleninduziert zu erklären.
Der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Dr. Sebastian Pflugbeil,
fordert mit Nachdruck, die erschreckenden Befunde der KiKK-Studie ernstzunehmen.
Sie verpflichten die politischen Entscheidungsträger, das seit Jahrzehnten anerkannte Prinzip
der Vorsorge endlich praktisch umzusetzen. Pflugbeil appelliert an Wissenschaftler,
Medienvertreter und Politiker, nicht zu Lasten der Gesundheit unserer Kinder
mit halbrichtigen Darstellungen ganz falsche Schlussfolgerungen zu suggerieren.
Wenn am Ende einer epidemiologischen Untersuchung ein signifikanter Zusammenhang herauskommt
und die Autoren dann vorgeben, dass das aber auch Zufall sein könnte,
dann wird Epidemiologie zur Demagogie.
Pflugbeil appelliert auch an den gesunden Menschenverstand:
Wer nachweist, dass Kinder umso häufiger erkranken, je näher sie an dem nächsten KKW-Schornstein
wohnen und Radioaktivität als mögliche Ursache grundsätzlich ausschließt,
macht sich nicht nur lächerlich. Er wirft die Frage auf,
was denn dann aus solch einem Schornstein die Kinder krank macht.
Ist es wirklich beruhigend, dass man das bisher nicht herausgefunden hat?
Das Symposion hat zahlreiche Ansatzpunkte für eine weitere intensive Diskussion ergeben,
die innerhalb der verschiedenen Disziplinen, vor allem aber auch untereinander fortgeführt
werden soll. Mit Bedauern wurde zur Kenntnis genommen, dass das
Mainzer Kinderkrebsregister die Einladung zu dieser offenen Diskussion ausgeschlagen hat.
Ansonsten jedoch hat die interdisziplinäre freie Diskussion über ein brisantes Thema
einen Sprung nach vorne gemacht.
Berlin, den 29. September 2008
Dr. Sebastian Pflugbeil, Präsident
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