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| Messung der Kontamination möglich?
Nur durch Roboter! | Zurück: Index |
Die einzige Möglichkeit, mit der man also eine solche Kontamination überhaupt überprüfen kann, ist eine sogenannte »Wischprobe«: Die in Frage kommende Fläche muß abgewischt und diese Wischprobe in einem geeigneten Meßgerät gemessen werden. Dazu wird man unterschiedliche Meßgeräte und hochempfindliche Meßplätze benutzen müssen, um die verschiedenen Alpha-, Beta- oder Gammastrahler überhaupt erkennen und nachweisen zu können. Daraus gewinnt man zumindest Anhaltspunkte, daß die Oberfläche verunreinigt ist, d.h. Stoffe daran haften, die ablösbar sind und damit potentiell in einen Biopfad kommen können, der den Menschen belastet. Diese Belastung entsteht vor allem durch Inhalation, indem Partikel aufgewirbelt und dann eingeatmet werden. Das ist die relevante Gefährdung. Das äußere Strahlenfeld da hat der Pressesprecher recht kann man noch nicht einmal in kleinsten Einheiten messen, weil der Anteil an der gesamten Strahlung zu gering ist, um es mit einfachen Methoden nachzuweisen.
Nach den Vorschriften der Transportverordnung muß ein Mittelwert über eine größere Fläche gebildet werden. Man muß also für eine Wischprobe eine Fläche von 300 cm2 abgrenzen und diese geordnet abwischen, damit man sichergehen kann, daß in der Wischprobe repräsentativ ein Mittel von diesen 300 cm2 enthalten ist. Das müßte man nun auf der gesamten Fläche des CASTOR wiederholen, und zwar nach meinen Berechnungen ca. 3000 mal, weil der Behälter zur Wärmeableitung mit Kühlrippen versehen ist, was die Oberfläche enorm erhöht. Um Anhaltspunkte zu bekommen, wie groß der Abwischanteil ist, muß das ganze Verfahren mehrmals wiederholt werden, um eine Verlaufskurve zu bekommen, von der zurück extrapoliert werden kann, wie die Oberfläche vor dem Abwischen aussah.
Dieses Verfahren müßte also auf der gesamten Oberfläche des CASTOR durchgeführt werden. Bisher können jedoch nur Stichproben gemacht worden sein. Aber das Problem wird noch komplizierter: Wenn ich meine eigenen Rechenwerte für die Neutronenstrahlung und ihre Wirksamkeit ernstnehme, dann ist die Oberfläche des CASTOR ein Sperrbereich, und ich kann es keinem Menschen zumuten, sich dort überhaupt aufzuhalten. Es müßte also erst einmal ein Roboter konstruiert werden, der in der Lage ist, die Oberfläche des CASTOR repräsentativ abzuwischen, ca. 3000 mal in 300 cm2-Flächeneinheiten.
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Sie können aus diesem Szenario schon sehen, daß das bisher bekannt Gewordene noch nicht einmal die Spitze eines Eisberges ist, sondern eher eine Schneeflocke auf der Spitze eines Eisberges. Und selbst nach einem so komplizierten und aufwendigen Verfahren weiß man ja auch nur, wieviel man gerade auf dem CASTOR vorfindet, wenn man dann Zugang bekommt. Man muß schon abgrundtiefes Vertrauen in die Kraftwerksbetreiber haben, um sich darauf zu verlassen, daß nicht schon irgendein armer Gastarbeiter den Behälter von oben bis unten hat abwienern müssen, bevor man da hinkommt, um ihn von einem Roboter abwischen zu lassen.
Aber selbst dann ist noch völlig unklar, wo die Kontamination überhaupt hergekommen ist, wieviel schon während des Transportes weggeflogen ist, usw. Wir bekommen ja nur ein Zustandsbild im Lager.
Wer ist denn für die bisher gemachten Messungen bei der Abfahrt und bei der Ankunft verantwortlich?
Mir ist nicht bekannt, daß bei der Ankunft überhaupt noch einmal Untersuchungen gemacht werden. Ich kenne bisher nur Meßprotokolle vom Bundesamt für Strahlenschutz und von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, und dabei handelt es sich um Messungen des äußeren Strahlenfeldes, z.B. im Brennelementelager in Gorleben. Ob Wischproben gemacht worden sind, mit welcher Technik, Zuverlässigkeit und Repräsentativität, darüber liegen uns bis heute keine verwertbaren Erkenntnisse vor. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, daß jemand zur Zeit eine nach wissenschaftlichen Maßstäben belastbare Tabelle vorlegen kann. Mindestens genauso groß wie der Skandal, daß auf den Behältern radioaktive Kontamination vorhanden ist, ist die Tatsache, daß man gar nicht weiß, um was es sich überhaupt handelt, wie es dahin kommt, wann diese Kontamination dahin gekommen ist, wieviel davon unterwegs wieder weggekommen ist; wie stark es haftet, welche chemische und physikalische Zustandsform es hat; wie leicht löst es sich ab, z.B. durch die heftige Wärmekonvektion, wie groß ist der Aufwirbelungsfaktor darüber gibt es überhaupt keine belastbaren Unterlagen.
Daß jetzt also in La Hague und in Sellafield bei der Ankunft der Behälter viel höhere Kontaminationen gemessen worden sind, als bei der Abfahrt angegeben worden sind, läßt nicht den Schluß zu, die Behälter müßten unterwegs undicht geworden sein. Die Meßergebnisse können reiner Zufall sein?
Richtig. Vorausgesetzt immer, Sie können den an den entsprechenden Stellen niedergelegten Ergebnissen auch trauen. Mir fällt es außerordentlich schwer, nach allem, was man im Laufe der Jahre so erlebt hat, jemandem zu vertrauen, der sagt, der CASTOR hat unkontaminiert unsere Werkstore verlassen.
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| http://www.gfstrahlenschutz.de/gssfowi3.htm Stand: 12.02.1999 Verantwortlich: Prof. Kuni, horst@kuni.org | Zur Startseite Prof. Kuni |